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Samstag, 03.10.2020 um 14:53

Ein Eisenbahner gibt auf

Ab dem 1. Oktober ist es aus mit dem Eisenbahnmuseum in Siegen, damit hört ein jahrelanger Kampf gegen eine Räumungsklage der Deutschen Bahn auf. Hans Joachim Bäcker gibt überraschend auf und verliert damit seine Existenz und Siegen ein bedeutenes Museum.

Vor zwei Jahren lernten wir Hans Joachim Bäcker und seine Familie kennen und schätzen. Es entstand eine Freundschaft. Zur damaligen Zeit weckte der Schienenbus in Wipperfürth sein Interesse, er machte dorthin einen Abstecher und war von den Renovierungsarbeiten begeistert.

Man kam ins Gespräch und es folgten gegenseitige Besuche. Bei unseren Besuchen eröffnete sich immer ein tolles Museum, perfekt gepflegt.

Achim wie er von Freunden genannt wird, hatte hier auch seine Firma „ Rail Design Bäcker“ untergebracht. Schrottreife Loks und Waggons wurde hier wieder aufgebaut und standen wie neu wieder auf den Gleisen.

Wir staunten dass er seit 2017 das Museum und seine Firma alleine mit seiner Familie führte. Ein Unternehmen das weder ein Familienleben zuließ, geschweige einen Urlaub. Nicht nur das Museum musste gepflegt werden auch wurde einmal im Monat das Museum mit Programm geöffnet. Bis zu 1000 Besucher strömten dann in Museum. Alles stemmte er mit seiner Frau und Kindern.

Achim stellt den Vorsitzender des Südwestfälischen Eisenbahnmuseum dar. Er war auch bei den Betzdorfer Eisenbahnfreunden Mitglied als er 1998 mit der Köf 5274 der Eisenbahnfreunde Betzdorf , mit Begeisterung das erste Triebfahrzeug lackierte.

Seit dem sind viele weitere Wagen und Loks in Siegen mit einer neuen Lackierung versehen worden. Mit der Zeit kamen auch Fahrzeuge aus ganz Deutschland hinzu, die bis zur Firmengründung im Oktober 2006 ehrenamtlich lackiert wurden. Im Oktober 2007 wurde von Rail-Design Bäcker mit 323 606 eine eigene Kleinlok gekauft, um die Fahrzeuge in Siegen verschieben zu können.

Wie das alles finanziert werden sollte stand immer in Frage, nicht das die DB nur Miete für das Gebäude haben wollte, sondern auch andere Kosten der Instandsetzung und Versicherungen kamen dazu. Mit Brandschutzauflagen und vielen anderen Stolperfallen, tat sich auch die Stadt Siegen nicht als großer Unterstützer hervor. Dabei sollten alle Seite glücklich sein.

Die Stadt Siegen dafür, das jemand mit Hingabe das Museum betreibt, so ein Tourismusmagnet hat. Mit seiner Firma Rail Design Bäcker Lokomotiven aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz nach Siegen holt und die Bahn für die Unterstellmöglichkeit und Schutz ihrer Loks.

Nun steht das Denkmalgeschützte Ausbesserungswerk leer, ohne Pflege wahrscheinlich dem Verfall preisgegeben. Die Bürokratie hat mal wieder ein Leben ausgehaucht und einem Ideallisten der aus Freude an seinem anfänglichen Hobby jede Grundlage der Existenz genommen. Die Geschichte der Bahn in Siegen zerstört.

Es waren die Gruben und Eisenhütten, die diese Region über fast zwei Jahrhunderte prägten. Ihre Anbindung an das Schienennetz stellte im Siegerland oft eine besondere Herausforderung dar. So war das Siegerland durchzogen von einem Netz aus Schmalspurbahnen, auf denen vor allem die Kohle Richtung Sieg transportiert wurde. Entlang der Siegstrecke drängte die Schwerindustrie in die ursprünglichen Siedlungen. Im Zuge der fortschreitenden Industriealisierung veränderte nicht nur das Siegtal sein Gesicht.

Beispielhaft für die beschriebene Entwicklung steht die Geschichte des Ausbesserungswerkes und des Bahnbetriebswerkes Siegen. Einst prägten sie das Stadtbild, heute erinnern nur noch der Bahnhof und der Ringlokschuppen daran, dass hier einmal 4000 Menschen gearbeitet haben, um die Versorgung der Industrie mit Rohstoffen sicherzustellen und die fertigen Güter in alle Welt zu transportieren. Auch der Personenverkehr hatte damals einen anderen Stellenwert als heute. So ist es zu verstehen, dass die Deutsche Bundesbahn damals zu den bedeutendsten Arbeitgebern der Region gehörte.

Das Kernstück des 1882 erbauten Ringlokschuppens ist eine elektrisch betriebene Drehscheibe mit einem Durchmesser von 23 Metern, die 1940 von der Firma Siemag gebaut wurde. Die Drehscheibe dient dazu, die in den einzelnen, fächerartig verteilten Ständen des Lokschuppens zur Wartung oder Reparatur abgestellten Schienenfahrzeuge wieder auf die Gleise des Siegener Bahnhofs zu führen.

Das 1997 stillgelegte Bahnbetriebswerk wurde anfangs vom Südwestfälischen Eisenbahnmuseum - Interessengemeinschaft Historischer Lokschuppen e.V. betreut. Der Verein hatte das Ziel, die Anlagen zu erhalten und beherbergt im Ringlokschuppen Museumsfahrzeuge verschiedener Epochen. Im Erdgeschoss des ehemaligen Verwaltungsgebäudes sind heute Fotos und Dokumente vom Bahnbetrieb der Vergangenheit ausgestellt.

Die Eisenbahnfreunde Betzdorf waren hier auch integriert und nutzten das Bahnbetriebswerk.

Bei der jährlichen Mitgliederversammlung der Eisenbahnfreunde Betzdorf e.V. im Dezember 2017 wurde durch die anwesenden Mitglieder die Auflösung des Vereins beschlossen, nachdem der alte Vorstand turnusmäßig ausschied und sich keine Nachfolger für die Vorstandsämter finden ließen.

Damit endet die Geschichte der Eisenbahnfreunde Betzdorf nach über 33 Jahren und vielen Tausend Kilometern Sonderfahrten, anfangs mit gecharterten Fahrzeugen, später mit zwei eigenen Uerdinger Schienenbussen 798 668 und 798 711.

Achim Bäcker stand alleine da, der gelernte Maurer, versuchte sein Ideal und Traum von der Eisenbahn auch für die Öffentlichkeit und Geschichte zu erhalten, nun wünschen wir Ihm aus Wipperfürth alles Gute für einen neuen Start. Danken für seine Schenkungen und Hilfe für unsere Wipperfürther Bahnlandschaft. Er ist immer ein gern gesehener Gast.

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Autor: Klaus Fink / Fotos:
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