Die nächsten Termine

19.03.2020, 19:00

Jahreshauptversammlung


Ort: im Gebäude des Film-Club
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Mittwoch, 29.01.2020 um 17:41

Der Niedergang der Strecke 412

Was im Dezember 1877 noch mit "Hurra" Rufen und dem Aufschwung der Wipperfürther Industrie begann, nahm bereits ab den 60 er Jahren seinen Niedergang.

Die Eisenbahn löste nicht nur die Postkutsche in Wippefürth ab , sondern sicherte den Anschluß an die weite Welt.

Vorallem die Tuchindustrie rühmte sich mit einem Bahnanschluß auch die Wipperfüther Pfarrkirche wurde größer gebaut als geplant.

Wipperfürth war kein Dorf mehr.

1902 kam der Anschluß nach Marienheide, dieser wurde groß gefeiert.

Fabrikant Steinmüller und Oberregierungsrat Fink gaben einen Bericht über die Entstehung und mit Böllerschüßen und Hochrufen begleitet fuhr der Festzug nach Wipperfürth, wo ausgiebig im Saale des "Brunnen" gefeiert wurde.

Selbst ein Lied wurde geschrieben mit dem ersten Abschnitt:

"Lasst ein donnernd Hoch uns bringen Wipperfürth und Gummersbach. Laset hell die Gläser klingen, dass gekommen ist der Tag. Wo verbunden unsere Kreise endlich durch die Eisenbahn. Stimmt an das Lied zum Preise dass das Werk nun ist getan."

Die Berichterstattung war bis auf Hückeswagen in allen Städten sehr umfangreich.

1910 wurde die Strecke nach Anschlag und Halver eröffnet, sehr zum Unmut von Radevormwald und Lennep.

Wipperfürth wurde von diesen als "Gegend mit sehr geringer Bedeutung" abgetan.

Es kam zu einem Kompromiss, Radevormwald erhielt auch diese Verbindung, dafür entfiel die Verbindung von Wipperfürth nach Bergisch Gladbach.

Der Eröffnungszug sollte von Brügge aus über Halver und Anschlag ins 19,2 Kilometer entfernte Wipperfürth fahren. In Halver wurde ein zusätzlicher Waggon für die bergischen Honoratioren angehängt, der Zug setzte sich erneut in Bewegung und fuhr stattdessen über Anschlag und Schwenke nach Radevormwald.

Wipperfürth wunderte sich, die Strecke gewann nie an Bedeutung und auch die Verbindungsmöglichkeit nach Bergisch Gladbach war vertan.

Der Milchverkehr spielte in Wipperfürth 1905 eine große Rolle, dies erkennt man daran, das extra hier, 12 eigens für den Milchverkehr hergerichtete luftgebremste Güterwaggons vorhielten und eng verzahnt eingesetzt wurden um die Städte wie Lennep, Remscheid, Barmen, Elberfeld und Köln mit Grundnahrungsmittel zu versorgen.

Zu dieser Zeit, betsand der Bf Wipperfürth aus: 1 Stationsvorsteher, 3 Stationsassistenten, 2 Weichensteller, 1 Lademeister, 4 Stationsarbeiter und 8 Bahnunterhaltungsarbeiter.

Die verkauften Fahrkarten stiegen von 36534 im Jahre 1878 auf 145331 im Jahre 1929. Die Wagenladungen auf 58225 Tonnen.

1910 wurde extra die staatliche Bahnmeisterei mit Dienstwohnungen an der Brückenstraße errichtet, wo auch die Bahnmeisterei aus Hückeswagen eingesiedelt wurde.

52 Züge fuhren 1914 täglich durch Wipperfürth. Alles stand auf Erfolg. Die beiden Weltkriege konnten daran nichts ändern, selbst die Angriffe im 2. Weltkrieg überstand der Wipperfürther Bahnhof fast unbeschadet und es fuhren immer noch mehr als 11 Züge am Tag durch Wipperfürth.

Wipperfürth galt als Umleitungsstrecke, um zahlreiche Güterzüge von den bombardierungsgefährdeten Hauptbahnen fernzuhalten.

Bekannt war der Waldbröhler, der als beschleunigter Personenzug galt und nur an großen Bahnhöfen hielt, auch der Ausflugsverkehr nahm zu, so zur Bever oder in den Märchenwald nach Gogarten. Am Wochendende wurden die Personenzüge wegen der Masse der Ausflüglern verlängert.

Beliebt war auch das "Blaubeerensammeln" in Ohl Rönahl, als Sonntagsvergnügen der Großstädtler die in Scharen mit der Bahn ankamen

Von 1949 bis in Ende der 50er kamen zusätzlich 1 Millionen Menschen in das Durchgangslager mit der Eisenbahn in Wipperfürth an.

In dieser Zeit nannte man den Wipperfürther Bahnhof auch " Rangierbahnhof der Heimatlosen"

Weil die Überquerung der Gleise zugefährlich wurde und der Umweg über die Brückenstraße von 2 km zuweit war, wurde für die Lagerinsassen eine Fußgängerbrücke gebaut, denn es entstand eine neue Siedlung.

Große Pläne gab es für die Bahnstrecke 412 die in Remscheid Lennep begann. Wipperfürth sollte ein Knotenpunkt werden.

Darüber hinaus sollte es auch nach Lindlar, Köln und in den Südharz führen. In den 50er war der Höhepunkt erreicht.

Firmen wie Kordt & Rosch oder die Firma F. Sander, später Hubert Blechmann, Bergmann Kabelwerke, Bisterfeld & Stolting erhielten einen Bahnanschluß. Der Güterverkehr wuchs.

Wipperfürth erhielt einen 2 ständigen Lokschuppen mit kleiner Drehscheibe, Wasserturm und einer 40 Tonnen Gleiswaage, ein zweites Stellwerk, sowie einen großen Güterschuppen. Zum Schutz der Bahnarbeiter einen Erdbunker im 2. Weltkrieg.

Für die Wipperfürther war das Bahnhofsgebäude zu klein und der Bahnhof zu weit aus der Stadt.

1952 übernahm der Schienenbus den Personenverkehr und löste die Dampflok langsam ab.

Der Schienenbus VT 95, später 98 war beim Publikum sehr beleibt, nicht nur weger der "wunderbar lichten Aussicht".

Auch die Presse war begeistert mit den Worten: schnittig, elegant, schnell und bequem feiert sie den Schienenbus.

Neue Haltestellen wie Wipperfürth West entstanden, so wuchs auch der Personenverkehr.

Die Einkaufsfahrt nach Wuppertal wurde komfortabler und man nahm das Angebot gerne an, denn wer hatte in dieser Zeit schon ein Auto.

Mit Verbesserungen auch von der Motorleistung durfte der "Rote Brummer" 28 Jahre die Bahnstrecke Wipperfürth bedienen.

Die Bahn konnte wieder rentabel den Personenverkehr auf der Strecke abwickeln.

Bis zu dieser Zeit weitete sich der Bahnhof auf 14 Gleise aus.

Wipperfürth erhielt eine eigene Kleinlok die Köf 2 , weil das verschieben der Waggons sonst nicht mehr möglich gewesen wäre und als 1961 der Wipperfürther Bahnhof neu eingeweiht wurde, tönte es in der Bergischen Landeszeitung....

...das nichts das Vertrauen, das die Bundesbahn auf ihre Zukunft in Wipperfürth setzt, besser dokumentiert, als der soebend eingeweihte Bundesbahnhof Wipperfürth.

Doch die Zeitung täuschte sich. Paar Jahre später kamen die ersten Stilllegungsgerüchte.

Weiter geht es demnächst....

Teilweise Daten aus dem Buch" Von Lennep ins Oberbergische" von Kurt Kaiß, bei dem die IG Wipperfürher Bahnlandschaft mit Bildmaterial geholfen hat, zu erwerben im Buchhandel.

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Autor: Klaus Fink / Fotos:
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